Fleckendelfine


Walveranstaltung Madeira 2012

Ein Bericht von Harald Meisner
Madeira ist einer der besten Spots für Wal- und Delfinbeobachtungen weltweit. Man trifft in den küstennahen Gewässern vor Madeira ganzjährig  auf insgesamt über 25 verschiedene Delfin- und Walarten (Cetacea). Die meisten von ihnen, insbesondere die Bartenwale  sind auf der Durchreise ins Nordpolarmeer oder wieder zurück nach Süden. Hinzu kommt, dass die Insel nur einen schmalen Festlandsockel hat und das Meer bereits wenige Kilometer vor der Küste auf Tiefen von  4000 bis 5000 Meter abfällt. Also ideale Jagdgründe für Pottwale, die in großen Tiefen nach ihrer Lieblingsbeute, den Tiefseekalmaren jagen.
Während unseres  Tauchurlaubs auf Madeira im letzten Jahr, hatten wir auch an einer Whale Watching Tour bei Lobosonda in Calheta teilgenommen und bei nur einer einzigen Ausfahrt zwei verschiedene Delfinarten aus allernächster Nähe und in großer Zahl beobachten können.
Dieses Erlebnis hat mich so begeistert, dass ich mit dem Gedanken spielte, einmal eine ganze Woche nur mit den Walen und Delfinen zu verbringen und nach Möglichkeit Unterwasseraufnahmen von diesen Begegnungen zu machen. So schrieb  ich recht bald nach dem Tauchurlaub Claudia Gomes von Lobosonda an und klärte die Möglichkeiten. Es ergab sich, dass Lobosonda gerade ein neues sehr schnelles Boot in Betrieb nahm, die Stenella, die für diesen Plan sehr gut geeignet schien. Claudia bot mir die Möglichkeit an, die Stenella für eine 3-stündige Ausfahrt täglich über eine  Woche exklusiv zu chartern, so dass individuelle Ausfahrten möglich wären.


Schnell war eine Gruppe von walbegeisterten und Apnoe- interessierten Tauchern gefunden, die auch gruppendynamisch zusammen passte und die größtenteils in der Vergangenheit schon gemeinsam auf Tauchtouren unterwegs war. Nach ausgiebiger Vorbereitung und Sichtung diverser Dokumentationen über Pottwale, die wir zu treffen hofften, ging es dann im September 2012 mit der TAP über Lissabon nach Funchal auf Madeira. Leider machten wir schon auf dem Hinflug schlechte Erfahrungen mit der portugiesischen Fluggesellschaft, die auf dem Rückflug in Umbuchungen mit bis zu 7 Stunden Wartezeit wegen einer Flugverspätung gipfelte.Gruppe


Auf dem Flug von Düsseldorf nach Lissabon gab es keinen Service, da wegen Personalmangel zu wenige Flugbegleiter an Bord waren. Beim Weiterflug von Lissabon nach Funchal kam es zu 2 Stunden Verspätung, da es zunächst keinen Piloten für unsere Maschine gab. Empfehlenswert ist in jedem Fall eine frühzeitige Buchung mit Direktflügen.
Mit einigen Stunden Verspätung kamen wir dann dennoch guter Dinge nach einem ca. 45-minütigen Transfer von Funchal im Hotel Calheta Beach in Calheta an.


Das Calheta Beach hat eine ideale Lage, da es direkt am Hafen von Calheta liegt, von dem die täglichen Ausfahrten von Lobosonda starten. Das Hotel ist eine überschaubar große 4 Sterne Anlage mit einem der wenigen auf Madeira vorzufindenden Sandstrände (wenn auch künstlich aufgeschüttet). Die Zimmer sind modern eingerichtet, sauber und von der Größe her auch mit Tauchgepäck ausreichend.
Da es bei  der Einzelzimmerbuchung bei 2 Teilnehmern zu kleineren Problemen kam, gab es eine kulante und unkomplizierte Umbuchung, die dazu führte, dass Kurt ohne Aufpreis eine Mastersuite mit 2 Badezimmern, Whirlpool, einem riesigen Wohnzimmer und einem großen Balkon mit Vollausstattung (Tisch, Stühle, Liegen) bekam, die sich für unsere Abendveranstaltungen hervorragend anbot ;-).
Auch ansonsten waren fast alle Teilnehmer mit dem Hotel sehr zufrieden. Das Essen war schmackhaft und vielfältig, der Service nett und freundlich und die Getränkepreise relativ günstig.
Hinzu kommt, dass es direkt gegenüber vom Hotel einen großen Supermarkt gibt, der die Versorgung mit Snacks und „Erfrischungsgetränken“ für das Abendprogramm zu günstigen Preisen sicherstellte.
Abenprogramm auf der Terasse

Pool Panorama

Für den morgen nach der Ankunft hatten wir mit Claudia Gomes von Lobosonda eine kleine Infoveranstaltung verabredet, bei der diverse sehr schöne Fotos die Vorfreude auf unsere Ausfahrten noch mal deutlich steigerten. Außerdem gab es Infos zur generellen Lobosonda Philosophie, der sanften Annäherung an die Tiere und natürlich Verhaltensmaßahmen für eine Begegnung mit den Tieren im Wasser.

Lobosonda ShopCalheta Hafen

Am Nachmittag ging es dann endlich zur ersten Ausfahrt. Neben Claudia war noch Daniel der Skipper an Bord, der akzentfrei deutsch spricht und auch ein begeisterter Apnoetaucher ist.
Die Stenella verfügt über 12 bequeme gepolsterte Sitzplätze, die auch bei voller Fahrt mit ca. 70 km/h aus 500 PS (bei erstaunlich geringem Benzinverbrauch und Geräuschpegel) eine sichere und bequeme Ausfahrt ermöglichen. Die Crew steht ständig mit den Spähern an Land in Funk- und Telefonverbindung. Die Späher verfügen über extrem starke Ferngläser und eine große Erfahrung in der Sichtung von Walen und ändern wenn es keine Sichtungen gibt, auch ihre Position auf der Insel. Die Stenella hat den großen Vorteil, schnell reagieren zu können und bei einer  Sichtung kurzfristig größere Strecken schnell zurücklegen zu können. So haben wir teils Strecken von mehr als 40 km zurückgelegt und hatten nicht eine einzige Ausfahrt ohne eine Sichtung.

Bernd das BootStenella

Friends

Auf der Stenella

Am ersten Tag begrüßte uns  der kristallklare und azurblaue Atlantik mit einer großen Schule von Rundkopf- oder Risso-Delfinen (Grampus griseus). Doch das war nur der Anfang. Es folgten faszinierende Begegnungen, die von Tag zu Tag spannender wurden.  So sahen wir Indische Grindwale, auch Pilotwale genannt (Globicephala macrorhynchus), Große Tümmler (Tursiops truncatus), die scheuen und extrem schnellen Streifendelfine (Stenella coeruleoalba) und die seltenen und scheuen Blainville Schnabelwale (Mesoplodon densirostris).

PilotwaleTümmler

Blainville Schnabelwale

Karettschildkröte


Am 4. Tag war dann der Aufbruch morgens im Hafen etwas  zügiger als üblich und es fielen Sätze wie „Hoffentlich sind sie noch da …“, was uns schon ein wenig in Aufregung versetzte. Da schien großes auf uns zu warten. Nach wenigen Minuten Ausfahrt trafen auf wir eine größere Schule der sehr zutraulichen und verspielten Fleckendelfine (Stenella frontalis), die ich schon aus dem Vorjahr kannte. Sie schwammen dicht am Boot in der Bugwelle und vollführten tolle Sprünge. Claudia sagte uns, wir hätten nun die Wahl. 2 km von unserem Standort wurden Pottwale (Physeter macrocephalus) gesichtet. Auch, wenn es schwerfiel, so setzten wir doch die Fahrt fort und hatten fantastische Begegnungen mit Pottwalen aus allernächster Nähe über mehrere Stunden.
Die Pottwale, besonders die Kälber waren erstaunlich neugierig und interessiert. Die Gruppen näherten sich oft dem stehenden Boot und eine Pottwal Mutter tauchte zur Nahrungssuche ab und liess ihr Kalb währenddessen bei uns zurück.
Eine  Gruppe aus 2 Müttern und 2 Kälbern tauchte dreimal  unter unserem Boot hindurch und ein großer Pottwalbulle gesellte sich anschließend zum „Sozialisieren“ dazu.

Pottwal Kalb

Fluke

Pottwal taucht ab

Pottwale

Hier unser Film mit allen Highlights:




Insgesamt haben wir in dieser einen Woche unvergessliche Eindrücke und Erlebnisse gesammelt, nicht zuletzt durch das große Engagement und die Erfahrung des Lobosonda Teams, das sehr auf unsere Wünsche einging. So gab es reichlich Stopps zum Schnorcheln und Apnoetauchen „into the blue“ und an  unberührten Felsen vor der Küste und die meisten Ausfahrten gingen auch schon mal etwas länger als gebucht. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist bereits in Planung.

Schnorcheln

Neben den Walen gibt es noch eine ganze Reihe anderer Sehenswürdigkeiten und Möglichkeiten zu spannenden Aktivitäten auf der Insel. Darüber könnte man allein einen seitenlangen Bericht mit hunderten von Fotos schreiben. Da wir neben den Ausfahrten am Tag nicht mehr sehr viel Zeit hatten, mussten wir uns diesbezüglich leider beschränken. Dennoch stand natürlich eine Fahrt in die Inselhauptstadt Funchal mit beinem Besuch auf dem Mercado dos Lavradores auf dem Programm. Unbedingt zu empfehlen ist der frisch gepresste, gekühlte Zuckerrohrsaft, der an einem Stand angeboten wird. Dieser schmeckt sehr frisch und fruchtig und ganz anders als erwartet. Den frischen hausgemachten Kuchen, den viele Frauen auf dem Vorplatz der Markthalle anbieten, sollte man sich auch nicht entgehen lassen.

Mercado dos Lavradores FunchalMercado dos Lavradores Funchal

Mercado dos Lavradores Funchal

Portwein

Außerdem verbanden wir eine Fahrt zum Ostkap der Insel mit einem Ausflug in das Walmuseum nach Canical. Das Museum hat aber leider eher seinen Schwerpunkt in der Geschichte des Walfanges auf Madeira, dessen „Helden“ hier sehr stark glorifiziert werden. Die Wale an sich kamen uns hier ein wenig zu kurz, wobei dort auch Forschung betrieben wird und Walschutz auf dem Programm steht.
Umso sehenswerter war das wilde Ostkap der Insel. Leider konnten wir aus Zeitgründen nicht bis zum äußersten Kap wandern, aber auch schon die 3-4 ersten Aussichtspunkte boten eine traumhafte  Aussicht auf die wild zerklüftete Ostküste der Insel. In Gruppen ist übrigens in jedem Fall die Anfahrt per Taxi zu empfehlen. Dies ist dann recht erschwinglich und mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind manche Touren doch ein halbe Weltreise.

Walmuseum Canical

Madeira Ostkap

Madeira Ostkap


Wanderungen MadeiraAuch standen für einige Teilnehmer einige kleine Wanderungen auf dem Programm, die eine unberührte und einzigartige Natur und Landschaft im Inselinneren offenbarte.
Generell wären auch Tauchgänge in Canico möglich gewesen, aber darauf mussten wir leider aus Zeitgründen verzichten. Eine Woche ist im Grunde viel zu wenig, um die fantastische Insel wirklich zu erleben.

Wanderungen Madeira

Wildlife Madeira

Abschließend möchte ich noch dringend auf die Initiative der Walschutzorganisation ProWal hinweisen und euch bitten, diese durch Spenden zu unterstützen. Die Organisation plant für 2013 eine Aktion zum Schutz der Pilotwale vor den Färöer-Inseln. Dort werden die Brüder und Schwestern der von uns beobachteten friedlichen Meeressäuger jedes Jahr  zu Tausenden im Namen der Tradition brutal getötet. ProWal plant,  im nächsten Jahr die Pilotwalschulen durch so genannte Pinger (Vergrämergeräte), die Schallwellen aussenden, von den Todesbuchten fern zu halten. Zur Finanzierung werden dringend noch Spenden benötigt. Vielen Dank!
http://www.walschutzaktionen.de/1807501.html
Auf facebook http://www.facebook.com/pages/ProWal/120565088001151

Fotos:  Wolfgang Clemens, Ronald Giesers, Kurt Heusler, Oliver Sichelschmidt, Bernd Wortmann, Martin Wundram, Egbert Zingel, Harald Meisner und Claudia Gomes / Lobosonda
http://www.lobosonda.com/
Lobosonda Blog mit täglich aktuellen Fotos aller Sichtungen: http://lobosonda.wordpress.com/
Und Lobosonda auf facebook

Videos: Kurt Heusler, Harald Meisner

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