Tauchen bei Nacht – Bericht zum Spezialkurs Nachttauchen

Ein Bericht von Thomas Schnitzler

Unsere Baggerseen sind alle kalt und dunkel. So zumindest die gängige Meinung. Und es stimmt zumindest für die größeren Tiefen unterhalb der Sprungschicht. Vor allem gibt es hier nur selten etwas zu sehen in der Dunkelheit.
Ganz anders sieht es aber während der natürlichen Dunkelheit nach Sonnenuntergang aus. Der See, der nachmittags noch ganz nett war, erwacht plötzlich. Krebse kommen aus Ihren Verstecken! Fische suchen sich Ihren Schlafplatz. Ein tolles Erlebnis. Der Spruch „Nachts sind alle Fische grau“ verliert mit angeknipster Lampe an Bedeutung.

Zu den Voraussetzungen für das DTSA-*** gehört der Spezialkurs Nachttauchen. Anfang September trafen wir uns also bei Peter Teichmann um diesen zu absolvieren. Aufgrund eines Missverständnisses, eigentlich sollten wir zu fünft sein, waren wir nur zwei Vereinsmitglieder, welche das Brevet absolvieren wollten. Zunächst stand die Theorie auf dem Plan. Warum gehen wir überhaupt Nachttauchen, was sind die besonderen Risiken, wie sieht es mit den Ängsten aus. Was ist bei der Auswahl der richtigen Lampe zu beachten. Was sind die Besonderheiten der einzelnen Lampentypen. Nicht zuletzt - wie sieht so ein Nachttauchgang aus, was ist zu planen und gesondert zu beachten. Auf all diese Fragen vermittelte Peter uns in zwei Terminen das nötige Wissen.
So gibt es zum Beispiel verschiedene Lampentypen. Neben eher seltenen Gasentladungslampen wie sie auch im Xenonscheinwerfer im Auto vorkommen sind hier vor allem Halogenstrahler oder LED Lampen zu nennen. Der Unterschied ist zumindest für das Gefühl unter Wasser gravierend. Halogenstrahler machen ein warmes, gelbes Licht während LED Lampen ein hartes, kaltes, weißes oder bläuliches Licht aussenden. Für den Zweck Unterwasser Licht zu geben, sind beide geeignet. Es ist sicherlich vor allem ein subjektives Empfinden, welches Licht besser gefällt. Bei den Lampen muss auf einige Details geachtet werden:

•    Sie müssen Druckfest sein und sollten einen Tiefentladeschutz und eine Restladeanzeige haben
•    Sie müssen Schlag- und Kratzfest sein
•    Sie müssen stabil gebaut sein
•    Sie sollten ein armlanges, mit einem Karabiner am Jacket befestigtes Band haben, um nicht verloren zu gehen
•    Sie müssen leicht Einschaltbar sein, am besten ohne Magnetschalter, denn der kann den Kompass stören
•    O-Ringe müssen den Akku/Batteriebereich abdichten

Natürlich müssen auch die Akkulaufzeit und die Helligkeit des Leuchtmittels genügen. Auch die Art des Akkus sollte wohlüberlegt sein in Hinsicht auf Gewicht pro Leistung. So sind Blei-Gel-Akkus sehr schwer, während Lithium-Ionen-Akkus ein sehr geringes Gewicht aufweisen.

Aber die Wahl der Lampe war nur ein interessanter Aspekt der Theorie. Auch bei der Tauchgangsplanung und –praxis gab es spannende Dinge, die zu beachten waren. So sollte ein Nachttauchgang ein reiner Lusttauchgang sein. Man sollte nicht mehr mit sich selber beschäftigt sein. Das Tarieren und der Umgang mit der Ausrüstung, müssen ohne nachzudenken funktionieren.  Das Gewässer sollte bekannt sein. Orientierung findet nur nach Kompass oder natürlicher Orientierung am Gewässergrund statt. Im Gewässer sollten bei Nachttauchgängen keine weiteren Probleme auftreten können. Hierzu gehören Bootsverkehr, andere technische Aktivitäten (Baggern etc.), starke Brandung, Strömung und schlechte Sicht.
Der Check der Ausrüstung ist bei Dunkelheit noch wichtiger als im Hellen. Dies bedingt auch, dass man beim An- oder Ausziehen der Ausrüstung genügend Licht hat.
Beim Briefing ist wichtig, den Tauchgang und den Ablauf besonders genau zu erklären. Das Durchgehen der Unterwasserzeichen und der mit der Lampe auszuführenden Spezialzeichen ist Pflicht. Bei Unterwasserzeichen ist darauf zu achten, dass diese immer vor der Brust gegeben werden, damit der Partner nicht geblendet wird. Sind alle normalen Punkte des Briefings abgearbeitet kann es losgehen.

Das Abtauchen bei Nachttauchgängen sollte nie in die Dunkelheit erfolgen, sondern über Grund gehen. Die Lampen dienen nicht nur dem erkennen des Gegenstandes oder Grundes, sondern auch dem Erkennen bzw. Sichten untereinander. Ein Zusammenbleiben mit eingeschalteter Lampe ist einfacher. Sollte man sich doch einmal verlieren, ist es sinnvoll kurz die Lampe auszuschalten um eventuell die Gruppe wiederzufinden. Dies sollte wirklich nur kurz erfolgen, da vermutlich auch der Partner das Gleiche versucht. Wenn man sich so nicht wiederfindet taucht man wie auch bei Tagtauchgängen langsam und sicher auf. An der Oberfläche ist darauf zu achten, dass Lampen vom Ufer aus als Notsignal gedeutet werden können. Die Gefahren beim Nachttauchen sind einmal eine durch die Sichteinschränkung bedingte Anfälligkeit, Hindernisse nicht rechtzeitig zu entdecken. Aber vor allem ist es die Psyche selbst. Nachts werden Urängste des Menschen aktiviert. Schon harmlose Zusammenstöße mit Fischen, können eine Panikreaktion auslösen.

Der Reiz des Nachttauchens liegt zum einen daran, dass es viele nachtaktive Lebewesen unter Wasser gibt. Zum anderen kann man aber auch Fische beim Schlafen beobachten. Nicht selten nehmen sie hierbei eine andere Farbe an. Bei schlafenden Fischen ist zu beachten, dass man diese nie direkt anstrahlt. Durch das Licht können sie erschrecken und sich bei Flucht verletzen.

Gerüstet mit der Theorie konnten wir zu unseren beiden Nachttauchgängen aufbrechen. Zusammen mit weiteren Mittauchern, erlebten wir zwei tolle Tauchgänge bei denen wir einige auch größere Flussbarsche bestaunen konnten. Die vielen kleinen Krebse und die ruhige Stimmung in der Dunkelheit rundeten den Spezialkurs ab. Ein besonderer Dank geht hier nochmal an Peter, der, trotz der mauen Teilnehmerzahl von zwei Mitgliedern, den Spezialkurs interessant und spannend gestalten konnte und uns durch die Nacht geführt hat.

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