Meeresbiologie Hurghada



Bericht Meeresbiologiekurs Juli 2009 in Hurghada mit 
Dr. Markus Esser


Ein Bericht von Anja Lutz und Daniel Reymann

 



An einem Sonntag im Juli trafen sich 15 Taucher verschiedenster Erfahrungsstufen am Flughafen Düsseldorf. 
Der Eine oder Andere der Gruppe war schon meeresbiologisch „vorbelastet“, andere betraten damit Neuland (oder vielmehr betauchten es). Es waren Tauchneulinge dabei, aber auch alte Hasen, so mancher kannte Ägypten und seine Unterwasserbevölkerung, für andere war alles neu. Doch es gab für jeden unter wie auch über Wasser neue Erfahrungen, die wohl keiner missen möchte. 

Wir kamen in der Nacht an, das „Grand Resort“ ist eine der typischen Hotelburgen, in der man sich leicht verlaufen kann, von sinnvollen Leitsystemen oder ausgeschilderten Fluchtwegen hält man in Ägypten anscheinend nicht sehr viel... 
Es hat dann auch zwei Stunden, mehrere Nachfragen und Wegerkundigungen gebraucht, bis wir endlich in unseren Zimmern waren. Wir wollten uns jedoch davon aber nicht die Laune verderben lassen und hatten für die Zukunft unsere Schleichwege durchs Hotel.

Das erste Briefing durch unseren Tauchguide Sandra Caramelle und das Kennenlernen der SWDF-Basis stand am Sonntag auf dem Programm. Hier wurden nochmals die Zusammensetzung der Tauchgruppen und die Ziele der einzelnen Buddyteams besprochen. 

Bei einer Gruppe von 15 Personen, Tauchern und Nichttauchern, den verschiedensten Ausbildungsstufen und unterschiedlichen Wünschen an die Tauchgänge ist es naturgemäß schwer, alle unter einen Hut zu bringen und ein Programm anzubieten, das allen gleichermaßen zusagt. So haben sich in den zwei Wochen zwar einige Reibungspunkte ergeben, aber die Urlaubsstimmung konnte dadurch unserer Meinung nach nicht zerstört werden!


Die Tauchtage

Zu Beginn eines jeden Tauchtages wurden wir vom Taxi (ja, 15 Personen samt Ausrüstung passen wirklich in einen Kleinbus!) vom Hotel zur SWDF-Basis am „Al Mashrabia Hotel“ gebracht, dann standen die Vorträge des Kurses auf dem Programm. 

Die Vorträge fanden im Salon unseres Tauchbootes, der „El Prince Coda“ statt, einem Boot, das durchaus 20 Leuten Platz geboten hätte. Als Leinwand für den Videobeamer diente kurzerhand eine Kunststofftischdecke.


Als Einleitung auf die Vortragsreihe gab Corinna Esser einen Überblick über das Land Ägypten und seine Geschichte.
Die Vorträge des Biologiekurses von Markus Esser bestanden jeweils aus einer etwa eineinhalbstündigen Vorlesungseinheit über das Ökosystem „Rotes Meer“ und seine Lebensformen. Wir lernten viel über die verschiedenen Lebensräume des Roten Meeres und seine Zusammenhänge. Die Fragestellungen waren beispielsweise: Welche Symbiosen gibt es und welche Funktion im lokalen und globalen Ökosystem erfüllen die Korallenriffe. 

Anschließend fuhren wir mit dem Boot zu unseren Tauchplätzen, und starteten dann unseren ersten Tauchgang, der wie immer viel zu schnell vorbei war. Tröstlich war hier das von der Bootsmannschaft liebevoll zubereitete Büffet und nach einer angemessenen Pause folgte der zweite Tauchgang. 

Jeder Tauchtag fand seinen traditionellen Abschluss in der Bar. Das heimische „Sakara“ ist als „Dekobier“ äußerst gut geeignet, aber auch die Limettencola (auch „Cola à la Sandra“ genannt) fand ihre Liebhaber. 

Eindrücke der Tauchgänge

Neben den „biologisch geprägten Tauchgängen“ kam auch das Wracktauchen in unserem Urlaub nicht zu kurz: In Shaab Ruhr betauchten wir ein Kabellegerwrack. Die „Balena“ lag in unmittelbarer Küstennähe, sie war die Heimat von Fledermausfischen und einem stattlichen Barrakudaschwarm. 
Selbst Hans Hass und sein Wirken im Roten Meer ist uns begegnet: Wir sind an den Resten seines Haifischkäfigs bei Umm Kamar vorbeigetaucht.

Nacktschnecke

Muräne

Haarstern

Napoleon



Ein sehr aufregender Tauchgang war auch der Strömungstauchgang, bei dem wohl die meisten soviel Luft veratmet haben wie noch nie zuvor. Nur Sandra mit ihren „Long Blade“ Flossen hatte damit keine Schwierigkeiten. Für sie ist es wohl erst mit Strömung richtig interessant.

Der Nachttauchgang auf der „Dolphin Dancer“ hatte seine ganz spezielle Atmosphäre. 
Das Highlight war das Meeresleuchten, bei ausgeschalteten Tauchlampen wurde jede Bewegung der Hände sichtbar, es erschien uns wie ein Sternenhimmel unter Wasser. Abgerundet wurde der Tauchgang durch eine „Spanische Tänzerin“ und eine Schildkröte, die am Horizont entfernt ihre Bahnen zog.



Rotfeuerfisch


Als praktische Übung und zum Abschluss des einwöchigen Kurses haben wir auch einen sogenannten „Reefcheck“ durchgeführt. 
Hierzu haben wir verschiedene Sorten von Riffbewohnern wie ganz bestimmte Schwämme, Seeigel und Fischarten gezählt. Bewuchs und Bodenbeschaffung wurden ebenfalls bestimmt. 
Aus diesen Beobachtungen können dann Kennzahlen erstellt werden, aus denen man auf den Zustand des Ökosystems „Rotes Meer“ schließen kann. 
An verschiedenen Stellen im Roten sahen wir zudem Mess-Stationen mit Tafeln und Schwimmelementen, an denen Forscher ein Monitoring der marinen Lebensräume betreiben. 
Es ist mal etwas anderes, im Dienste der Wissenschaft zu tauchen, da hier der Aspekt des Tauchens etwas im Hintergrund steht und man sich seiner Tauchfertigkeiten sehr bewusst wird!

Reefcheck


Essen

Das Essen im Hotel war gut (unabhängig davon gehört zu einer Ägyptenreise stets eine gründliche Magenverstimmung). Es gab verschiedene Büffets, man konnte sich aber auch in einem der Restaurants für diverse Menüs entscheiden. Zum Frühstück gab es meist sehr leckere Früchte. Besonders toll war der arabische Abend, bei dem natürlich auch Bauchtanz, Musik und selbstverständlich die Wasserpfeife dabei war.

Am letzten Abend waren wir mit Sandra und Michael dann original ägyptisch essen. Falaffel, Fladenbrot, Auberginen und anderes erfreute unsere Gaumen und das noch nicht richtig temperierte Bier wurde kurzerhand im Sektkühler nachgekühlt. 


Fazit

Das Tauchen in Roten Meer ist immer wieder faszinierend und ereignisreich. Die unterschiedlichsten Fische in allen nur denkbaren Farben und Formen sind zu sehen. Falterfische, Drückerfische, Riffbarsche, Muränen, Einsiedlerkrebse, Schnecken, Napoleonfische, besonders aber die exotischen Artgenossen wie den „Rotmeer Walkman“, Skorpion- und Steinfische haben sich blicken lassen.

Rotmeer Walkman

Steinfisch



Das wohl für alle beeindruckteste Erlebnis unter Wasser jedoch war das Treffen mit Ferdinand und seiner Bande, einer Gruppe wild lebender Delphine, die mit den SWDF-Tauchern Freundschaft geschlossen haben. 
Jeder Delphin hatte seine speziellen Charakteristika, so dass man sie durchaus auseinanderhalten konnte, und mit Delphinen zu tauchen, davon träumt doch eigentlich jeder. Ferdinand und seine Bande sind sogar richtige „Filmstars“ in ihrem eigenen Film!

Delfine

Riffpanorama

Gorgonie

Delfine



Weniger schön ist das zum Teil schockierende Verhalten anderer Tauchboote. Nicht nur, dass sie fast ihre eigenen Taucher über den Haufen fuhren, nein, sie fütterten auch noch die Fische an, um ihren Kunden „etwas zu bieten“. Die Kehrseite dieses Anfütterns ist, dass diese Fische verhaltensgestört waren; selbst sonst sehr scheue Fische zeigten sich sehr aggressiv. Wir empfanden diesen Tauchgang als wirklich gruselig! 

Es empfiehlt sich also dringend, vor einer Tauchreise die Tauchbasis gut auszuwählen. Die Basis der SWDF ist für eine Ägyptenreise sehr zu empfehlen. SWDF steht für Spiritual World Diving Federation, und nach dieser Maxime wird auch getaucht. SWDF setzt sich für einen umweltbewußten und nachhaltigen Tauchtourismus am Roten Meer ein und vermittelt jedem ein ganz neues und einmaliges Tauchgefühl.

Dank
Einen herzlichen Dank an Markus Esser, der unseren Blick für meeresbiologische Zusammenhänge und das komplexe Zusammenspiel von Symbiosen und Lebensräumen im Roten Meer geschärft hat. 

Ein besonderer Dank geht an das Team vom SWDF, welches uns ganz intensive Momente unter Wasser und faszinierende Einblicke in eine faszinierende Welt ermöglicht haben. 


SWDF



Und natürlich an Ferdinand und seine Delphinbande, die uns ein wenig von ihrer Welt gezeigt haben. 

Wir kommen gerne wieder!

Einen Bericht von Naemi Reymann über die etwas andere Art zu tauchen mit der SWDF findet ihr hier.

Internettips:

· www.swdf.de (Spiritual World Diving Federation)
· www.hepca.com (Hurghada Environmental Protection and Conservation Association)
· den einen oder anderen Film, einfach mal bei YouTube nach den Schlagworten „Michael Stadermann“, „Georg von Grundherr“ oder „Elischebas Welt, Tauchen mit Delphinen“ suchen. 

Fotos:
Conny Konze (Canon Powershot A650 IS)
Anja Lutz (Canon Powershot G9)
Naemi Reymann (Panasonic DMC-TZ4)
Daniel Reymann (Leica C Lux 2)


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