Galápagos - Inseln aus Feuer und Wasser - September/Oktober 2010

Ein Reisebericht von Gisela und Willi Franken



Am 20. September 2010 war es nun endlich soweit, unser "Traum Galápagos" sollte Wirklichkeit werden. Wir flogen zunächst mit Iberia von Düsseldorf über Madrid nach Quito/Ecuador - Flugzeit ca. 2,5 bzw. 11 Stunden. In Quito hatten wir eine Übernachtung im Mercure Grand Hotel Alameda. Da wir erst gegen Abend ankamen, blieb für eine ausgiebige Stadterkundung leider keine Zeit. Unser Tatendrang war außerdem gebremst, da wir eine Zeitverschiebung von -7 Stunden zu verkraften hatten und auch noch von heftigen Kopfschmerzen bzw. Kurzatmigkeit geplagt wurden. Dies war kein Wunder und hätte uns eigentlich klar sein müssen: Quito liegt immerhin stolze 2.850 m hoch.


Hatte es am Vorabend noch etwas geregnet, so zeigte sich die Stadt am nächsten Morgen von ihrer sonnigen Seite und die umliegenden hohen Berge wie der Cotopaxi (5.897m) und der Chimborazo (mit 6.310 m der höchste Berg Ecuadors) boten uns ein sehr imposantes Bild. Die ecuadorianische Fluglinie AeroGal brachte uns dann mit Zwischenstop in der Hafenstadt Guayaquil (noch ecuadorianisches Festland) auf die Insel San Cristóbal. Sie ist mit einer Größe von 558 km² die östlichste Galápagos-Insel.


Hier war für 2 Nächte Hotel Miconia, direkt am kleinen Hafen gelegen, unser Domizil. (Anmerkung: das Hotel ist schlicht, aber sauber und der überwiegende Teil der Mitarbeiter spricht nur spanisch; die Insel bietet allerdings auch keine besseren Alternativen). 



Wir staunten nicht schlecht, als wir bei unserem ersten Erkundungsgang am Hafen und Strand entlang überall auf Seelöwen trafen, die von den Menschen kaum Notiz nahmen und sogar die Sitzbänke in Beschlag nahmen. 


Am nächsten Tag stand ein Busausflug ins Inselinnere auf dem Programm. Zusammen mit einem anderen deutschen Ehepaar ging es in Begleitung eines Nationalpark-Rangers sowie der Schweizer Reiseführerin Tina (die auf San Christobal/Galápagos mit ihrem einheimischen Ehemann eine Agentur für Tagestouren besitzt www.sharksky.com ) mit dem Bus zunächst zum großen Freigehege der Riesenschildkröten-Zuchtstation (Galápaguera). Mit Infotafeln versehene Wege führen durch das dichtbewachsene Gelände. Unterwegs begegnet man auch noch Chatham-Spottdrosseln, Galápagos-Tyrannen und verschiedenen Darwinfinken.





Das Mittagessen nahmen wir auf einer riesigen Farm ein. Hier wuchs Obst, wie z.B. Mandarinen, Passionsfrüchte, Ananas in Hülle und Fülle - unbeschreiblich.




Da es im Vormittagsverlauf sehr neblig geworden war, musste die vorgesehene Fahrt zum Kratersee Laguna El Junco, der in 700 m Höhe gelegen ist, ausfallen. Stattdessen ging es zurück zur Küste, wo wir zahlreiche Meeresleguane und Seelöwen hautnah beobachten konnten. Und auch hier zeigten die Tiere keinerlei Scheu. Es war ein erlebnisreicher Tag an dem wir nicht zuletzt auch wegen der sehr kundigen Führer einen ersten Eindruck von der Pflanzen- und Tierwelt der Galápagos Inseln erhielten. 



Am Mittwoch 23.09. 2010 gingen wir - mit hohen Erwartungen - als erste Gäste an Bord der "Galápagos Aggressor I". Etwas später trafen auch die anderen Taucher vom Flughafen ein. Wir waren insgesamt 14 Personen - eine bunt gemischte Gruppe verschiedener Nationalitäten - USA, Neuseeland, Australien, England, Schweiz und Deutschland. Es sollte eine interessante, spannende und auch lustige Woche werden.

Angaben zur "Galápagos Aggressor I": 

- Erbaut 1992/1993 - generalüberholt 2006/2007

- Länge 33 m - Breite 7,3 m - 2 x 330 PS Turbo Diesel Maschinen

- 3 Zodiaks - 12 l Alu Flaschen - Nitrox gegen Aufpreis





7 Kabinen (4 unter Deck und 3 Masterkabinen auf dem Oberdeck) alle mit eigenem Bad/WC (ausgestattet mit einer abgeschlossenen ECHTEN Duschkabine, d.h. kein Wasser läuft ins Badezimmer oder die Kabine!), Föhn, regelbarer Klimaanlage, CD/DVD-Player und Flachbild-TV - sowie täglichem Handtuchtausch und Reinigung der Kabine.

Wir hatten uns eine Masterkabine mit schönem Panoramafenster geleistet und haben die Mehrkosten von 140 EUR pro Person nicht bereut - wenn schon, denn schon.

Zunächst erfolgte eine ausführliche Schiffseinweisung durch den verantwortlichen und sehr kompetenten Divemaster Nelson Martinez, die sogar eine Notrettungsübung "à la Traumschiff" einschloss. 2. Tauchbegleiter war Lennin, ein ehemaliger Nationalparkranger.

Danach nahm jeder auf dem sehr großzügigen Tauchdeck mit ausreichendem Stauraum seinen Platz in Beschlag und die Ausrüstung wurde ausgepackt und zusammengebaut. Jeder Taucher wurde durch die Crew mit einem ENOS Sicherheitssystem und einer Sicherheitsflagge ausgestattet.



Anschließend stand der Checktauchgang an (vornehmlich um die persönliche Bleimenge zu testen). Er fand an der Isla Lobos (Seelöwen-Insel), einem durch einen schmalen Kanal von der Insel San Christobal getrennten winzigen Eiland statt. Getaucht wurde in Eigenregie vom Boot aus. Leider war die Sicht ziemlich schlecht und das Wasser sehr kalt. Aber unsere erste Unterwasserbegegnung mit einem Seelöwen ließ uns sogar zeitweise eine Wassertemperatur von nur 18° vergessen. Nach dem Auftauchen lernten wir dann sogleich den Luxus der beiden Warmwasserduschen auf dem Tauchdeck schätzen. Gekrönt wurde das Ganze noch durch ein angewärmtes Handtuch, welches uns durch die Crewmitglieder gereicht wurde (geschah übrigens nach jedem Tauchgang!!). Zudem konnten wir uns im warmen Wasser des Whirlpools auf dem Oberdeck aufwärmen (klingt ja schon irgendwie dekadent, war aber ein super Feeling).

Und dann war es auch schon Zeit für das Abendessen. 



Zuvor fand aber die offizielle Begrüßung mit Sekt statt, zu der die gesamte Crew in weißer Uniform angetreten war. Hierbei stellten sich die Crewmitglieder vor und auch wir Gäste wurden gebeten etwas über uns zu erzählen. Der erste Schritt zum gegenseitigen Kennenlernen war damit getan.

Zum Mittagsessen bediente sich jeder am Büffet. Am Abend wurde das Essen von unserem Kellner Salomon in "Smoking und Fliege" (und wir Taucher standesgemäß im "Räuberzivil") serviert; es bestand aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert. Neben alkoholfreien Getränken und Bier wurde am Abend auch Weiß- und Rotwein angeboten (alles inclusive). Die Verpflegung war sehr gut und reichlich und auch Sonderwünsche (Vegetarisch, ohne Knoblauch oder andere Varianten) wurden nach Voranmeldung berücksichtigt. Getränke und Snacks sowie Obst standen immer zur freien Verfügung bereit. 

In der Nacht legte die Aggressor I dann ab und nahm Kurs auf die Insel Seymour. Sie ist nur durch eine schmale Meeresstraße von der sich nördlich an Santa Cruz anschließenden Insel Baltra getrennt, auf welcher der Hauptflughafen liegt. Die Fahrt dauerte ca. 8 Stunden und wir erreichten unser Ziel am frühen Morgen des 24.9.2010. An Point North Seymour standen 2 Tauchgänge an.

Nach einem ausgiebigen 1. Tauchbriefing ging es endlich richtig los. Getaucht wurde stets vom Schlauchboot (hier bezeichnet als "Panga") in 2 Gruppen im Buddy Team mit jeweils einem Guide. Nach Beendigung des Tauchgangs wurde man auch wieder vom Panga aufgenommen und zurückgefahren.




Unter Wasser bot sich uns sogleich der ganze Fischreichtum der Galápagos Inseln dar, so wie wir es in Filmberichten und Büchern gesehen hatten. Die Fischschwärme schienen kein Ende zu nehmen. Dazu zeigten sich noch Weißspitzenriffhaie und Seelöwen ließen es sich auch nicht nehmen um uns herum zu tollen. Und zu allem Überfluss gab sich noch ein Manta die Ehre. Während wir Taucher unsere liebe Not hatten, in der heftigen Strömung einen sicheren Halt zu finden, schwebte er völlig mühelos durchs Wasser und schien an unseren Luftblasen großen Gefallen gefunden zu haben.



Wie im Fluge war 1 Stunde vergangen und bei den meisten mahnte das Finimeter zum Auftauchen. Welch ein Erlebnis! 

Nach einer angemessenen Oberflächenpause tauchten wir an der gleichen Stelle wieder in die Fischschwärme hinein und auch die Weißspitzenriffhaie und ein Seelöwe waren noch zugegen. 

So konnte es gerne weitergehen, wenngleich die mäßige Sicht und geringe Wassertemperatur von 20° durchaus verbesserungswürdig waren.

Nach dem Mittagessen stand unser 1. Landgang auf North Seymour an. Es handelt sich um gehobenes Landplateau mit ausgeprägter Trockenvegetation auf der sich eine große Nistkolonie von Fregattvögeln befindet. Die männlichen Tiere boten ein faszinierendes Bild mit ihren aufgeblasenen roten Kehlsäcken, mit denen sie ihrer Auserwählten imponieren wollten. In unmittelbarer Nachbarschaft nisten als saisonale Brüter deren Erzfeinde die Blaufußtölpel. Sie sind die häufigste der auf Galápagos vorkommenden Tölpelarten. Ihren englischen Namen (bluefooted) "Boobies" (Einfaltspinsel) erhielten sie von früheren Seefahrern wegen ihrer leichtsinnigen Zutraulichkeit und clownhaften Fortbewegung an Land. Neben diesen attraktiven Vogelarten leben auf Seymour u.a. noch Gabelschwanzmöwen, Galápagos-Seelöwen sowie Lava- und Meerechsen.



Wie uns aufgetragen wurde, verlassen wir natürlich nicht die vorgezeichneten Wege, was oftmals nicht so leicht war. Denn die Tiere haben wohl ihre eigenen Regeln - immer wieder saßen sie mitten auf dem Weg - alles ohne jegliche Scheu, denn Sie erkennen im Menschen keine Bedrohung. Wo hat man noch die Gelegenheit Tiere aus solcher Nähe zu beobachten?



Zurück an Bord nahm die Aggressor wieder Fahrt auf. Denn jetzt war das Ziel die Inseln Wolf und Darwin, weit im Norden des Archipels gelegen. Unsere Fahrzeit bis Wolf betrug rd. 18 Stunden. 

Für die meisten Teilnehmer wurde es nicht nur wegen der welligen See eine unruhige Nacht. Vielmehr raubte den meisten die Aufregung über die bevorstehenden Tauchgänge an den wohl bekanntesten Tauchplätzen der Galápagos Inseln Wolf und Darwin den Schlaf. Wir alle hatten hohe Erwartungen. 

Am 25.9.10 morgens etwa gegen 6 Uhr erreichten wir zunächst Wolf. Hier am Tauchplatz Wolf Land Slide wurden 4 Tauchgänge angeboten. 



Wie schon in den vergangenen Tagen ließ das Wetter ein wenig zu wünschen übrig - wenig Sonne und immer ein frischer Wind. Aber das tat unserer guten Laune keinen Abbruch. 



Als wir abtauchten, wimmelte es überall von Fisch. Und dann gesellten sich auch noch die größeren Exemplare dazu wie Galapagoshaie, einige Bogenstirn-Hammerhaie, Kuhnasenrochen und Delfine. Dazwischen tummelten sich einige Schildkröten. Das besondere Highlight hier waren für uns 6 große wunderschöne Adlerrochen, die in einer Formation mehrmals vor uns hin und her zogen. Fantastisch! Taucherherz was willst du mehr? Bei so viel Begeisterung wurde uns immer erst am Ende der Tauchgänge bewusst welche Kraftanstrengung uns die starke Strömung abverlangt hatte.










In der Nacht nahm die Aggressor I dann Kurs auf die Insel Darwin (nochmals ca. 8 Stunden Fahrzeit), die wir am frühen Morgen des 26.9.2010 erreichten. Das Schiff macht in Sichtweite des für diesen Tauchplatz markanten Felsbogens "Darwin-Arch", der weithin sichtbar aus dem Wasser ragt, fest. 



Erneut werden wir im Briefing ausführlich auf den neuen Tauchplatz vorbereitet und auf die wiederum zu erwartende Strömung hingewiesen. 



Wir tauchen im Blauwasser durch riesige Thunfisch- und Makrelenschwärme ab und sammeln uns unter Wasser - wie zuvor geheißen - auf einem Felsplateau genannt "Theater". Kurz nachdem wir alle einen guten Platz - natürlich in der 1. Reihe - gefunden haben, geht sozusagen die "Vorstellung" auch schon los: 

Immer mehr Hammerhaie finden sich ein und patroullieren am Riff auf und ab. Dazu gesellen sich Galápagos- und Seidenhaie. Wunderschön anzusehen wie elegant sie durch das Wasser gleiten. Sie ziehen uns in ihren Bann, zumal sie kein bisschen aggressiv und Angst einflössend wirken. Sie zeigen überhaupt kein Interesse an uns. 



Als wir wieder ins Blauwasser hinaustauchen sind wir von einer riesigen Hammerhaischule umgeben. Und dann entdecken wir auch noch große Delfine. Wahnsinn.



Bei einem der Tauchgänge legen wir uns in ca. 20 m auf den Sandgrund. Zunächst verstehen wir nicht, was das soll. Aber nach ein paar Minuten ziehen vor und über uns mehrere 100 Hammerhaie ganz ruhig vorbei. Es sieht aus wie eine undurchdringliche Wand. Irgendwie können wir es gar nicht fassen, so etwas real zu erleben.

Auch dieser Tag vergeht wieder wie im Fluge. Bis hierhin wurden unsere Erwartungen nahezu übererfüllt. Nur eine Unterwasserbegegnung wäre jetzt noch das "Sahnehäubchen" - nämlich der Walhai. Wir alle fragten uns: werden wir ihn noch sehen? Der eine oder andere unter uns wurde diesbezüglich schon zum Zweifler.

Am Montag 27.9.2010 waren bei Darwin am Vormittag die letzten beiden Tauchgänge angesetzt, der 3. sollte nochmals bei der Insel Wolf stattfinden. 

Während des Frühstücks war unser Tauchguide Nelson davon überzeugt: "today we will see the big fish!" Na ja, wenn er meint - das sagt er sicherlich immer, um die Taucher bei Laune zu halten - so dachten wir alle - aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. 

Also tauchten wir wieder ein in die wunderbare Unterwasserwelt mit Hammerhaien, Galapagoshaien, Dickkopfmakrelen, großen Gelbflossenthunas und riesigen Fischschwärmen. Nur der Walhai ließ weiter auf sich warten.

Dann der letzte (offizielle) Tauchgang an Darwin-Arch. Beide Gruppen hatten sich wieder am "Theater" platziert, als Nelson plötzlich das Zeichen für Walhai gab. Und tatsächlich, da war "sie", ein großes schwangeres Walhai-Weibchen. Da wurden sogar die Hammerhaie plötzlich zur Nebensache.



Nun stand außer Frage, das auch der letzte Tauchgang dieses Tages noch einmal an Darwin-Arch stattfinden würde. Und wir wurden nicht enttäuscht. Dieses Mal konnten wir sogar 2 Walhaie bestaunen, ein großes, mindestens 10 m messendes Weibchen und ein "Walhaibaby" von ca. 4 m Länge. Und dazwischen immer wieder Galapagos- und Hammerhaie, die uns ganz nah kamen - alles umrahmt von Fischschwärmen.







Welch krönender Abschluss unseres Aufenthaltes bei der Insel Darwin. Und nun hieß es von diesem fantastischen Tauchgebiet Abschied zu nehmen.



Am Dienstag den 28.09.2010 erreichten wir früh morgens Cousin's Rock, eine kleine, wie ein Haifischzahn geformte Insel, die von zahlreichen Seelöwen besiedelt ist. Sie ist östlich vor der Insel Santiago gelegen. Hier standen vormittags 2 Tauchgänge auf dem Programm. 

Während wir abtauchten, hatten wir schon die erste Begegnung mit einem Seelöwen.



Zwischen 20 und 25 m Tiefe trafen wir auf riesige Felder mit schwarzer Koralle. Und hatten auch noch, Dank Willi's Argusaugen, das Glück hier einen "Lanabüba" (Langnasenbüschelbarsch) zu entdecken. Leider trübte sehr schlechte Sicht und eine Wassertemperatur von nur noch 19° die Freude an diesem Tauchgang doch sehr. Zum Glück wurden wir jedoch noch von 5 Schildkröten, einem großen Barakudaschwarm sowie weiteren Seelöwen abgelenkt.



Aber als wir nach einer knappen Stunde wieder auftauchten, waren wir heftig durchgefroren und in Erwartung der warmen Dusche.

Danach stellten wir uns ernsthaft die Frage, ob wir wirklich noch einmal in das kalte Wasser springen sollten. Der Großteil der Gruppe verweigerte sich. Da aber der Tauchgang dort stattfinden sollte, wo die Seelöwen sich spielend im Wasser tummeln, wollten ein paar "Harteier" (zu denen wir natürlich auch gehörten) sich dieses Erlebnis doch nicht entgehen lassen. Und wir wurden auch nicht enttäuscht. Immer wieder schossen, vornehmlich junge Seelöwen ins Wasser und jagten um uns herum. Allerdings zeigte sich auch mehrmals ein Bulle, der versuchte mit deutlichen Drohgebärden und -lauten die Taucher zu vertreiben. Zu tätlichen Angriffen kam es jedoch nicht. 


Inmitten der spielenden Seelöwen zu tauchen war wirklich ein tolles Erlebnis.

Nach dem Mittagessen fand der 2. Landgang auf der Insel Bartholomé (dicht vor der Ostküste Santiagos gelegen) statt. Die nur 1,2 km² kleine Insel bietet ein großes Spektrum vulkanischer Strukturen mit Lavatunneln, Schlacken- und Tuffkegeln. 




Sie gehört zudem wegen ihrer faszinierenden Szenerie zu den am häufigsten besuchten Orten des Archipels. Der Ausblick vom nur 114 m hohen Gipfel der Insel auf die weißen Sandstrände der Sullivan Bay mit der bekannten Felsnadel Pinnacle Rock ist einfach atemberaubend. 

Zurück an Bord hatte man noch die Gelegenheit an einem Schnorcheltrip teilzunehmen mit der Option eventuell Galápagos-Pinguine unter Wasser zu sehen. Da wir von den beiden Vormittagstauchgängen noch sehr ausgekühlt waren, verzichteten wir dankend und genossen statt dessen ein Bad im Wirlpool. Wir sollten auch nichts verpassen, wie sich später herausstellte, denn die Pinguine zeigten sich leider nicht.



Und plötzlich war auch schon der letzte Tag der Tauchsafari angebrochen und es machte sich bei uns allen schon ein wenig Wehmut über das bevorstehende Ende bemerkbar. 







Nach dem Frühstück starteten wir gegen 8 Uhr zunächst zum Landgang auf die nur 13 ha große Insel South Plaza (vor der Ostküste von Santa Cruz gelegen) mit einem landschaftlich reizvollen Lavaplateau auf dem insbesondere bizarre Baumopuntien und am Boden kriechende Galápagos-Sesuvien (2 endemische Pflanzenarten) das Vegetationsbild dominieren. Zudem sind auf South Plaza große Populationen von Landleguanen und Galápagos-Seelöwen beheimatet. Außerdem haben hier Gabelschwanzmöwen, die sonst nur noch auf der kleinen Insel Malpelo nahe der kolumbianischen Küste vorkommen, ihre Nistplätze. Wie schon bei den vorangegangenen Landgängen erzählten uns die Guides Nelson und Lennin viel Interessantes und Wissenswertes über Flora und Fauna.







Dann ging es zum letzten Tauchgang an Gordon's Rock - eine kleine Felsgruppe östlich vor Santa Cruz. Wir sahen zum Abschluss eine Gruppe goldener Kuhnasenrochen, einen Schwarm Barrakudas und nochmals einen spielenden Seelöwen. Allerdings machte uns eine Wassertemperatur von nur 18° und schlechte Sicht den Abschied nicht ganz so schwer.

Kaum zurück an Bord lernten wir einen ganz besonderen Service kennen: 

Unser gesamtes Tauchequipment wurde von der Crew in einer leichten Seifenlauge gespült und zum Trocknen auf dem Sonnendeck aufgehängt. So etwas hatten wir bisher noch auf keiner Tauchsafari erlebt.

In der Zwischenzeit fuhr die Aggressor zum Hafen Puerto Ayora im Süden der Insel Santa Cruz. 

Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen an Bord hatte man Gelegenheit zum Besuch der auf Santa Cruz befindlichen Charles-Darwin-Forschungsstation mit anschließendem Inselshopping. Da wir noch eine Anschlusswoche auf Santa Cruz gebucht hatten, verzichteten wir hierauf und checkten am Nachmittag schon mal im Hotel Silberstein ein. 

Danach kehrten wir aber pünktlich (ca. 18 Uhr) zum "Fairwell Cocktail" auf die Aggressor zurück. Mit Wein und "Sushi-Häppchen" wurden wir von der wieder in weißen Uniformen gekleideten Crew verabschiedet. 



Da wir doch in der vergangenen Woche zu einer großen Taucherfamilie geworden waren, war die Stimmung mit Blick auf das bevorstehende Ende der Tour ein wenig gedrückt. Aber noch stand das Abschiedsessen an, welches wir in einem Restaurant auf Santa Cruz einnahmen. Viel zu schnell vergingen die letzten Stunden, die wir in fröhlicher Runde verbrachten und die tollen Erlebnisse nochmals Revue passieren ließen.



Dann hieß es aber für uns "time to say good bye", da wir als Einzige der Gruppe auf Santa Cruz blieben. Während wir unseren Weg ins Hotel Silberstein antraten, kehrten die Anderen zur Aggressor zurück, die gegen 23 Uhr wieder Kurs auf San Christobal nahm, von wo wir eine Woche zuvor gestartet waren. 



Das Hotel Silberstein war früher bekannt als Residencia Angermeyer, deren Besitzer Mitglieder der deutschstämmigen Familie Angermeyer waren, die zu Beginn des 20. Jahrhundert auf die Galápagos Inseln kamen und noch heute dort mit nachfolgenden Generationen leben. Die neuen, ebenfalls aus Deutschland stammenden Besitzer behielten den traditionellen Namen bis zum Jahr 2002 bei. Das zentral in Puerto Ayora gelegene Hotel hat 22 Zimmer, die rund um eine kleine Poolanlage in einem subtropischen Garten angeordnet sind. Zusätzlich gibt es im Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite - hier befindet sich auch die zum Hotel gehörende Tauchbasis - 2 Apartments, deren Charme in einer sehr großen Terrasse mit Hängematte liegt. Hier konnten wir in der letzten Woche die bisherigen Erlebnisse in Ruhe und ohne Stress verarbeiten und nebenbei die Insel Santa Cruz auf eigene Faust erkunden.



Das Hotel Silberstein ist keine Luxusherberge, aber die Zimmer sind sauber und zweckmäßig, die Dusche war immer heiß und das Frühstücksbuffet (es war sogar Schwarzbrot im Angebot) gut und ausreichend. Zudem bietet das dem Hotel angeschlossene Restaurant eine gute Auswahl an Speisen und Getränken zu moderaten Preisen an. Gleiches gilt auch für die Mehrzahl der Restaurants im Ort Puerto Ayora.

Santa Cruz ist mit 986 km² die zweit größte Insel des Archipels, die in den späten 1920er Jahren erstmals kolonisiert wurde. Die Gemeinde Puerto Ayora, im Süden der Insel an der Academy Bay gelegen, wurde durch die Errichtung der Charles-Darwin-Forschungsstation (1964) und den Ausbau der Verbindung zum nahegelegenen Flughafen Baltra (ca. 60 min Fahrzeit mit dem Auto + Fähre) zum touristischen Zentrum mit Hotels, Restaurants und vielen Andenkenshops.

In der Charles-Darwin-Forschungsstation, die mit Geldern der 1959 ins Leben gerufenen Charles-Darwin-Stiftung erbaut wurde und deren Besuch ein Muss ist, arbeiten heute Biologen aus der ganzen Welt an der speziellen Problematik der Lebenswelt der Inseln. Hier werden Nationalparkführer ausgebildet und Seminare für Lehrer und Studenten veranstaltet. Außerdem werden Ausrottungsstrategien für die inselfremden, eingeführten Pflanzen und Tiere (z.B.. Ratten und Ziegen) entwickelt und verschiedene Zuchtprogramme für bedrohte endemische Tierarten durchgeführt. 

Für die Besucher sind u.a. zugänglich:

- eine Ausstellungshalle, in der mit Fotos und Diagrammen Einblick in die Naturgeschichte der Inseln vermittelt wird

- zwei Landleguan-Gehege

- ein Teil des Zuchtpavillons der Galápagos Riesenschildkröten

- einige Riesenschildkröten-Gehege, darunter das des berühmten "Lonesome George" - George steht wie kein anderes Tier für die rücksichtslose Ausbeutung der Natur und den Kampf, zumindest Reste der Artenvielfalt zu bewahren. Er ist das letzte bekannte Männchen der Pinta-Riesenschildkröte der Insel Pinta (im Norden des Archipels gelegen), die zu den seltensten Tierarten der Erde zählen. Er wurde 1971 von einem amerikanischen Forscher auf Pinta entdeckt und nach Santa Cruz gebracht. Bis heute wurde kein Weibchen dieser Art entdeckt. Daher wurden ihm 2 Weibchen einer nahe verwandten Unterart zur Seite gestellt, an denen George aber bisher überhaupt kein sexuelles Interesse zeigt.



Da sich das Wetter in den letzten Tagen von seiner sonnigen Seite zeigte unternahmen wir nahezu täglich eine Wanderung (ca. 4 km) zur Tortuga Bay mit einem tollen weißen Sandstrand. Auf der Hälfte des Weges am Ortsende auf einem Plateau (sehr steile Treppe führt hinauf) befindet sich eine Ranger-Station, an der man sich in ein Besucherbuch eintragen muss. Hier wird man auch über die Verhaltensregeln aufgeklärt. Spätestens um 18 Uhr muss man das Gelände wieder verlassen haben. Dann führt ein gut ausgebauter Weg durch eine Trockenzone, wobei man viele Vögel wie z.B. Spottdrosseln und Darwinfinken beobachten kann, bis zum Strand. Zunächst erreicht man eine große Bucht, in der wegen der starken Wellen schwimmen verboten ist und daher nur von Surfern genutzt werden darf. Die 1. Bucht ist durch große rote Mangroven mit hohen Stelzwurzeln begrenzt. 



Hier trifft man auf eine Vielzahl von großen Meeresleguanen. Wir konnten auch immer wieder Leguane beobachten, wie sie aus dem Meer kamen oder sich gemächlich über den Sandstrand ins Meer begaben. Von den Menschen, die hier aber auch nur in geringer Zahl anzutreffen waren, nahmen sie überhaupt keine Notiz. 



Wenn man die Tortuga Bay rechts runter bis zum Ende lief, gelangte man zu einer kleineren Bucht, die ebenfalls von Mangroven begrenzt war. Hier war das Wasser nahezu ohne Wellengang und auch um einiges wärmer und daher zum Schwimmen geeignet. Wir konnten im seichten Wasser nahe der Mangroven kleine Galápagos- und Weißspitzenriffhaie und Schildkröten beobachten, daneben noch Braunpelikane, wie sie über dem Wasser kreisten und nach Fischen tauchten sowie eine ziemlich aufdringliche Horde Galápagos-Finken. 









Eine weitere Attraktion war der kleine Fischmarkt in Puerto Ayora, der täglich 1 x vormittags und 1 x nachmittags statt findet. Während die Händler die frischen Fische zum Verkauf anbieten, betteln Pelikane, Reiher, Möwen, Fregattvögel und Seelöwen energisch um kostenfreie Happen. Ein eindrucksvolles, aber auch lustiges Spektakel.









Wie im Fluge verging auch die letzte Woche auf Santa Cruz und so traten wir am 8.10.2010 vollgepackt mit wunderbaren Erlebnissen den Rückflug nach Deutschland an.

Unser Fazit:

Sicherlich ist Galápagos kein Billigreiseziel. Aber wir können im nachhinein sagen, das wir es nicht bereut haben und das Erlebte für uns jeden Euro und Cent wert war.

Dies trifft ganz besonders auf die Tauchsafari mit der Galápagos Aggressor zu. Hier sind in besonderem Masse die hohen Sicherheitsstandards und die Kompetenz der Crewmitglieder hervorzuheben gepaart mit einem, unserer Meinung nach, hervorragenden Service.

Allerdings verlangen einem die Tauchgänge insbesondere bei Darwin und Wolff wegen der recht starken Strömung, verbunden mit relativ kaltem Wasser, körperlich doch eine Menge ab. Ausreichende Taucherfahrung und körperliche Fitness sollten daher in jedem Fall vorhanden sein.

Zwischenzeitlich erfuhren wir, dass es ab 2011 nicht mehr möglich ist, im Rahmen einer Tauchsafari auch Landgänge zu unternehmen. Das finden wir sehr bedauerlich, da wir gerade die Kombination von Tauchen und Landerkundung als besonders faszinierend und abwechslungsreich empfanden. 

Für weitere Infos siehe auch Internetseite www.aggressor.com.



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