Pilotprojekt Edelkrebs NRW

Die TSG im Edelkrebsprojekt NRW

Ein Bericht von Alois Hill



Seit dem 27. April 2005 hat die TSG-Grevenbroich ein weiteres Betätigungsfeld im Bereich der Biologie gefunden. Potentielle Orte dieser neuen Aktivität sind fließende Gewässer in Nordrhein-Westfalen. Was aber treibt uns seit neuester Zeit in jedes Gewässer, sei es auch noch so trüb? Die Lösung: Es ist die Kartierarbeit für das Pilotprojekt Edelkrebs NRW, welche uns zu teils nachtschlafender Zeit dazu veranlasst, heldenhaft in die – bisweilen – trübe Finsternis nordrhein-westfälischer Seen zu steigen. 

Beim Pilotprojekt Edelkrebs NRW handelt es sich um ein Projekt des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) - Landesverband NRW und des Fischereiverbandes NRW. Es wird durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW und die NRW-Stiftung finanziert. Weiterhin wirken die Stadt Köln, der Verband der nordrhein-westfälischen Fischzüchter und Teichwirte e.V., der Tauchsportverband NRW e.V., das Forum Flusskrebse und das europäische Netzwerk CRAYNET unterstützend mit. 

Eines der Ziele des Projekts besteht in dem Versuch, eine Verbreitungskarte der heimischen und nichtheimischen Flusskrebse in NRW zu erstellen. Ein weiteres Ziel ist eine sehr breit angelegte Informationskampagne, welche die Flusskrebse als schützenswerte Organismen in der Öffentlichkeit stärker bekannt machen soll. Da diese Tiergruppe durch eingebürgerte, nicht ursprünglich heimische Arten (Neozoen) stark gefährdet ist, sind die Flusskrebse ein ausgezeichnetes Anschauungsbeispiel, welche Auswirkungen das Aussetzen von nicht heimischen Tier- und Pflanzenarten auf unsere heimische Fauna und Flora haben kann. Mehr hierzu weiter unten ...

Edelkrebs


Nachdem Bernd Wortmann zu Beginn des Jahres den Kontakt zu Dr. Harald Groß, dem Leiter des Pilotprojekts Edelkrebs NRW, hergestellt hatte, nahmen wenige Wochen später neben Bernd Wortmann noch Harald Meisner, Markus Eßer und ich selbst an einer Schulung für ehrenamtliche Kartierer teil.
Ziel dieser Schulung war es, den Teilnehmern die theoretischen Grundlagen für die spätere Arbeit zu vermitteln. Hierbei stand vor allem die Gefährdung der heimischen Flusskrebsarten im Mittelpunkt des Seminars. 


Bei den in der Schulung besprochenen heimischen Flusskrebsarten handelte es sich um den Edelkrebs (Astacus astacus) und um den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium).
Noch vor ca. 100 Jahren waren diese beiden Arten prägend für das Erscheinungsbild vieler Flüsse und Seen in NRW. Seit dieser Zeit sind die Bestände der beiden Arten aber stark zurückgegangen, was nicht zuletzt durch die Ansiedlung neuer, nicht-heimischer Krebsarten beschleunigt oder gar ausgelöst worden ist. 

Astacus Astacus



Bei den nicht-heimischen Krebsarten handelt es sich vor allem um die amerikanischen Arten Kamberkrebs (Orconectes limosus), Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) sowie um den aus Südosteuropa stammenden Galizischen Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus).
Der Steinkrebs ist in NRW mittlerweile vom Aussterben bedroht, der Edelkrebs gilt als stark gefährdet.

Signalkrebs

Galizischer Sumpfkrebs



Eine Ursache dieses Populationsrückgangs ist die so genannte Krebspest, welche in Europa seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt ist. Bei dieser Krankheit handelt es sich um einen Pilzbefall der Krebse durch den Fadenpilz Aphanomyces astaci, welcher vor allem durch die nicht-heimischen amerikanischen Krebsarten eingeschleppt worden ist und nun unter anderem von diesen übertragen wird.

Der Pilz dringt bei der Infektion in die Cuticula des Krebspanzers ein. Bis hierhin unterscheidet sich der Infektionsverlauf bezüglich der verschiedenen Krebsarten nicht. Das Tückische an der Krankheit ist aber nun, dass die meisten amerikanischen Krebsarten nach der Infektion Enzyme bilden können, welche in der Folge dafür sorgen, dass der Pilz eingekapselt wird. Die infizierten Krebse entgehen so einem tödlich endenden Krankheitsverlauf.
Die amerikanischen Krebsarten sind so zwar Überträger der Krankheit (nach der Häutung der Krebse gelangen die Sporen wieder in das Wasser), sie selbst sterben aber nicht nach einer Infektion. 
Dieser enzymatische Schutzmechanismus funktioniert nun bei den oben genannten Krebsarten Edelkrebs und Steinkrebs nicht. Die durch die Resistenz der Kamberkrebse bedingte beschleunigte Ausbreitung des Pilzes führt bei den heimischen Krebsarten zu einem schnellen Massensterben der betroffenen Tiere. Der Pilz dringt bei den heimischen Flusskrebsen in das Innere des Krebses ein, die Tiere sterben schließlich einen qualvollen Tod.

Da der Pilz außerhalb des Wassers nur eine sehr kurze Zeit überleben kann, sollten Taucher darauf achten, dass sie ihre Ausrüstung zwischen Tauchgängen in verschiedenen Gewässern immer gut trocknen. Nach dem Trocknen der Ausrüstung kann man relativ sicher sein, keine Sporen aus einem belasteten Gewässer in ein bis dahin pilzfreies Gewässer einzuschleppen.

Der Edelkrebs Astacus astacus

Im weiteren Verlauf des Projekts wird die Wiederansiedlung der heimischen Flusskrebsarten in dafür geeigneten Gewässern angestrebt. Aufgrund der oben beschriebenen Krebspest kommen hierfür nur jene Gewässer in Betracht, welche frei von Einwandererkrebsen sind. 

Die Lokalisierung von Gewässern, welche keine Einwandererkrebse beheimaten, ist denn auch eine der wichtigen Aufgaben unserer Kartiergruppe, welche mittlerweile durch Rainer Buchmann ergänzt worden ist.
Dies ist wichtig, weil nur Gewässer ohne Einwandererkrebse eine gewisse Sicherheit dafür bieten können, dass die wieder angesiedelten Bestände nicht durch eine Pilzinfektion dahingerafft werden. 



Bislang haben wir bereits einige Gewässer kartiert. Zur Zeit befasst sich unser Kartierteam mit den bei Bedburg/Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) gelegenen Seen Kasterer See und Peringssee.

Eine Darstellung unserer Tätigkeit im Rahmen der Kartierung dieser beiden Seen in Wort und Bild erfolgt demnächst …


Alois Hill


Quellen:

http://www.edelkrebsprojektnrw.de/

http://www.wirbellose.de/krebspest.html

Fotos: Harald Groß


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