Anders tauchen – Delfin als Vorbild www.swdf.de

Anders tauchen – Delfin als Vorbild

Ein Bericht von Naemi Reymann



Vielleicht kommt das mit der Zeit: Das Bewegen unter Wasser ist vertrauter, das Austarieren fällt leichter, die Ausrüstung ist bekannt, es steht kein besonderes Arbeitsprogramm oder ein hoher Schwierigkeitsgrad an, vielleicht ist sogar der Tauchspot etwas langweiliger oder es ist einfach die Neugier, die zum Experimentieren einlädt...

Das Spielerische beim Tauchen: Auf dem Rücken schweben oder im Schneidersitz, der Kopfstand, mit geschlossenen Augen und einfach nur lauschen. Kurzum: Eine andere Position als sonst – dazu die Beobachtung, dass dies interessant und entspannend zugleich sein kann...
Wenn ich mich beim Tauchen umsehe frage ich mich häufiger, warum wir Taucher uns nicht auch häufiger so bewegen wie Fische oder – weil ähnlicher – Meeressäugetiere. Warum „schieben“ wir so oft mit mechanischem Flossenschlag durchs Wasser, anstatt zu gleiten, durchs Wasser zu „schlüpfen“? Atemregler und Flossen sind uns schon gute Hilfsmittel. Dieses Schlüpfen ist leichter als gedacht – manchmal eine Frage der Kondition und der Übung. Mir geht es um mehr Ästhetik beim Tauchen, nicht um schnelles oder gar rekordverdächtiges Tauchen, es sollte in erster Linie entspannend sein... Wir sollten diese Chance viel bewusster nutzen: Das Schweben im dreidimensionalen Raum in der Schwerelosigkeit!

Wie wäre es mal damit: 
Beim Abtauchen „Fallgleiten“ (das dem Gleiten eines Drachfliegers ähnelt). Unter sich durchschauen (statt sich zu drehen) – und aus der Perspektive kann man auch fotografieren! Einen Kopfstand machen (leichter: zu Beginn aufgestützt mit einem Finger, später mit Drehung), die Drehung mit der „Fischstilwende“ oder einem „Kopfstandüberschlag“! Mit dem „Grätschschlag“ tauchen, oder an der Ankerkette herunterbalancieren und sich dabei wie ein Seiltänzer fühlen?

Überkopf tauchen

Balancieren auf der Ankerkette



Wenn wir uns die Fische anschauen sehen wir, dass ihre Bewegung eher seitlich für Anschub sorgt.
Ähnlicher sind uns die Meeressäugetiere wie Wale, Robben, Seekühe und Delfine. Ihrer fließenden Bewegung, die durch die Flosse eher für einen Schub von oben nach unten sorgt, kommt der so genannte „Delfinstil“ am nächsten. 
Je nach Situation bietet sich diese Fortbewegungsart an: Der Körper macht dabei eine Wellenbewegung von oben nach unten, der eigentliche Antrieb kommt dabei aus dem Gesäß, Po bis Waden sind gefordert – der Oberkörper ist im Vergleich dazu ruhiger. Anders als beim üblichen geraden Flossenschlag sind auch Knie und Sprunggelenke bei diesem Antrieb mit beteiligt. Man beginnt mit ruhigen Bewegungen, die dann fließender und schneller werden. Bei besonderen Erfordernissen wie beispielsweise stärkerer Strömung wird die Frequenz dann erhöht. Diese Art der Fortbewegung ist Unterwasser mit eine der schnellsten und mit die anstrengendste (beim VDST gibt es mit dem „Finswimming“ entsprechende Wettbewerbe, Ziel ist oft die Geschwindigkeit). Mir persönlich ist die Bewegung und das ruhige Gleiten an sich etwas wichtiger als Rekorde... 

Beim langsamen Tauchen bietet sich der „Scherenschlag“ an:
Die Beine sind gestreckt, die Beine öffnen sich anders als beim normalen Flossenschlag nicht nach oben und unten sondern zu den Seiten. Durch eine Verdrehung des Flossenblattes wird der Vorschub bewirkt, die Drehung entsteht bereits ab dem Oberschenkel. Eine ideale Technik zum langsamen Gleiten, zum Stehen gegen leichte Strömung, auch gut geeignet beim Fotografieren oder Filmen. Und da die Beine leicht angehoben werden für das Schweben in Grundnähe empfehlenswert. Da wenig Muskeln benutzt werden ist dieser Tauchstil sehr entspannend. Und das normale, entspannte Atmen (wie überwasser) nicht vergessen... Man kann beide Stile miteinander abwechseln und den Scherenschlag zur Erholung nutzen.

Pausen, wie beispielsweise den Sicherheitsstopp, kann man gut zur Entspannung oder für diese Bewegungen nutzen. Vorausgesetzt, die Tauchsituation macht dies möglich (und man hat beispielsweise keine stärkere Strömung oder dergleichen) und ist gut austariert. 
Wie wäre es mit einer seitlichen Rolle oder einem Schneidersitz wie ein Yogi? Beim Schneidersitz sind allerdings die Taucher mit Aluflasche etwas im Vorteil, Stahlflaschen lassen den Körper in dieser Haltung etwas weiter nach hinten kippen. Für den Stopp an der Leine gibt es auch eine besondere Technik

Tauchen nim Schneidersitz

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Sehr elegant ist die „Schraubendrehung“. Bei der dreht man sich ohne Flossenverwendung schraubenartig um sich selbst. Oder eine Drehung, bei der die Flossen nach oben angewinkelt sind und kaum bewegt werden und sich nur die Arme leicht seitlich bewegen (man kennt diese Drehung eventuell schon aus Übungen zum Höhlentauchen, bei der kein Sediment aufgewirbelt werden soll). Manchmal auch in Verbindung mit dem nach oben schweben... (z. B. geeignet in „Kaminsituationen“ in Höhlen oder in Wracks). 
Das Tauchen in entspannter „Rückenlage“ kann dagegen auch mit einem Tauchbuddy geübt werden. Der Lernende tariert sich dabei in waagerechter Stellung aus und dreht sich dann, so dass er auf dem Rücken schwebt. Sein Buddy gleitet parallel über ihn und greift ihn rechts und links mit beiden Händen an der Taille. Der Lernende legt dann die Hände auf die Schultern seines Buddys, dieser die bestimmt die Fahrtrichtung und steuert. Das Tauchen in der Rückenlage kann beim Durchtauchen von engen Durchlässen und Höhlen erforderlich sein und diese Übung kann diese Situation spielerisch zeigen.

Ganz besonders interessant finde ich neben dem Balancieren an der Ankerleine das „an der Decke gehen“. Am besten in einer Umgebung, wo dies möglich ist, z.B. unter dem Kiel eines Bootes (vorausgesetzt, das Boot steht ruhig, der Schiffsmotor ist aus, es gibt keine Strömung oder Seegang usw.). Auf allen Vieren kann dies beginnen. Man taucht bis kurz unter die Decke, tariert sich in den fast ausgeatmeten Zustand und geht dann den Kiel entlang (leichter geht dies übrigens rückwärts, dann sorgen die Flossen für weniger Widerstand, eine gute Vorbereitung ist auch, wenn einem der Kopfstand vertraut ist: Man geht in den Kopfstand unter der Decke und atmet dann leicht ein, so dass man mit den Flossen an die Decke stößt und los geht es...

Kiellaufen

Kopfstand



Eine andere, sicher ganz besondere Situation ist es, wenn einem beim Tauchen dann noch eine Gruppe von Delfinen begegnet, man fängt dann ganz von selber an, sich wie einer zu bewegen, man dreht sich, schlüpft durchs Wasser, macht Geräusche (Singen zum Beispiel geht gut). Und: bloß nicht anfassen! Dieses Tauchen mit besonderen Bewegungsstilen, Longblades-Flossen und in der Nähe von Meeressäugern kann man lernen. Ich habe dies bei der SWDF-Tauchbasis in Hurghada kennen gelernt. Besonders Hurghada stellt inzwischen ein riesiges Zentrum für Massentauchtourismus dar, man sollte daher besonders genau nach dem Anbieter schauen. Ich habe bei meinen Tauchgängen in Hurghada erleben müssen, wie auch mit Umwelt und Meer umgegangen wird: Zugemüllte Meeresböden, gesetzte Anker in Korallenstöcken, Schnorchler, die mit Flossen über Korallen laufen, Boote, die wild hupend einer Delfingruppe nachjagen und sie einkreisen, angefütterte Fische mit völlig veränderten Verhaltensweisen, die Liste ist erschreckend... Neben vielen Billig-Anbietern gibt es aber auch welche, die für Qualität stehen und Grundsätze für ganzheitliches Tauchen vorbildhaft ausüben. Beispielsweise diese:

Tauchbasis SWDF
Die Spiritual World Diving Federation (SWDF) im Al Mashrabiya Diving Center in Hurghada/Ägypten. Die SWDF (www.swdf.de) verbindet ökologisches Tauchen mit mehr Spaß beim Erkunden der Unterwasserwelt und lernt ein ästhetischeres Tauchen. Zusätzlich zur Tauchausbildung werden auch Seminare zur Meeresbiologie (u.a. VDST-Spezialkurs) angeboten – auch über das Verhalten und Tauchen mit wilden Tümmlern und das Tauchen im ethisch schöneren und dynamischeren Delphinstil sowie akrobatische Bewegungsabläufe (spielerischer Umgang mit Strömung und Unterwassertanz) werden vermittelt. 

Die Philosophie lautet: „Die SWDF wurde für alle Menschen gegründet, die den Tauchsport als Möglichkeit nutzen möchten, neue Erfahrungen für ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu sammeln. Wir ermöglichen unseren Gästen Taucherlebnisse, die vitale Kraft, innere Sicherheit, Spaß und neues Wissen für die Zukunft eröffnen. Ein wichtiger Aspekt innerhalb der Aktivitäten der SWDF ist es, das Verhalten und die Bewegungsabläufe der Meeresbewohner in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und zu erforschen. Diese Beobachtungen nutzen wir zum experimentieren mit unserem eigenen Bewegungsstil unter Wasser, um ein noch entspannteres Tauchen und einen intensiveren Kontakt zu den Meereslebewesen möglich zu machen.“ (Quelle: SWDF-Webseite)

Longblades
Bei ihren „Delphinstil-Experimenten“ machte die SDWF die besten Erfahrungen mit der so genannten „Longblades“ als Flosse. Das beste Preis- Leistungsverhältnis bietet die „Millenium“ der Firma Omer Sub. Die geschlossenen Flossen werden mit Tauchsocken getragen, das Flossenblatt ist besonders groß und lang gezogen. Die Flossenblätter sind in verschiedenen Stärken zu bekommen. Am sinnvollsten aus meiner Sicht im Meer zu verwenden – angesichts von Strömung, größeren Tiefen und höheren Sichtweiten. In jedem Fall sollte jeder für sich genau prüfen, dass er mit seiner Flosse ohne Probleme, umweltschonend, kraftvoll und sicher auch bei Strömung tauchen kann.

Buchempfehlung
„Perfekt tauchen“ von Michael Stadermann. Der Gründer und Präsident der SWDF wendet sich vor allem an den fortgeschrittenen und anspruchsvollen Taucher. Er beschreibt verschiedene Bewegungs- und Antriebsstile zum sicheren Tauchen in Höhlen, Wracks, Strömungen und im Freiwasser. Viele der in diesem Bericht kurz genannten Begriffe und Übungen beschreibt er im Buch sehr genau und anschaulich. Ein gesondertes Kapitel ist der sicheren Tarierung gewidmet, daher ist es auch für Tauchanfänger gut geeignet. Die Neuauflage erschien im März 2007 im Müller Rüschlikon Verlag, ISBN-Nr. 978-3-275-01602-0, erhältlich über den SWDF und im Buchhandel. 

Einen Bericht von Anja Lutz und Daniel Reymann über den Meeresbiologie Kurs, der während des Aufenthaltes bei der SWDF sattgefunden hat, findet ihr hier.


Fotos:
Naemi Reymann (Panasonic DMC-TZ4) – Bild Naemi: Daniel Reymann (Leica C-LUX 2)


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